Wiener Walzer

29.06.2012 12:15

Die Walzer gehören zu den europäischen Tänzen und werden den „Standardtänzen“ zugeordnet. Wiener Walzer: seit dem 19. Jahrhundert in Europa und Amerika, seit 1932 Turniertanz. Langsamer Walzer: seit 1920 in Europa, seit 1929 Turniertanz.
Beide seit 1963 im Welttanzprogramm.

Die Geschichte: Der Name kommt vom deutschen Wort „walzen“, was soviel wie „sich drehen“ bedeutete. Der Walzerrhythmus hat sich über Jahrhunderte entwickelt. Bereits 1754 wird in einer Wiener Stegreifkomödie eine Tanzszene als „Walzer“ bezeichnet. 1786 wurde in Wien auf der Opernbühne der erste Walzer bei der Uraufführung von „Una cosa rara“ getanzt, der eine Walzerbegeisterungswelle auslöste.

Ausgeprägt wurde der Drehtanz im letzten Drittel des vorigen Jahrhunderts im österreichisch-bayrischen Raum. Er geht auf den Ländler, den Deutschen Tanz und deren regionale Varianten zurück. Die Drehung der Paare in geschlossener Tanzhaltung, die in dieser Haltung die Tanzfläche umrunden, bildete seit dem Mittelalter den Abschluss des Tanzreigens.

Die Verselbständigung zu einem eigenständigen Tanz vollzog sich dann im Bürgertum, das diese Tanzpraxis als Ausdruck einer – gegen erstarrte Konventionen gerichteten – Lebenshaltung begeistert aufgriff. Als der ländliche Typ des Walzers von den Städtern übernommen wurde, änderte sich der Charakter des Tanzes in musikalischer und choreografischer Hinsicht.

Das Tempo wurde beschleunigt, hüpfende Schritte durch Gleitschritte ersetzt. Auf diese Weise wurde ein Tanzstil erreicht, mit dem der Walzer die Ballsäle eroberte und schließlich von der Gesellschaft aufgenommen wurde. Im Wien des 19. Jahrhunderts erhielt er dann als Wiener Walzer seine klassische Ausprägung, die ihn weltweit bekannt machte. Der Walzerrhythmus wurde auch von Komponisten der ernsten Musik und vom Ballett aufgegriffen. Mit den Dynastien Lanner und Strauß erreichte der Wiener Walzer seine klassische Periode.

Vor allem Johann Strauß Sohn gelang eine Formerweiterung und Veredelung des Tanzwalzers. Der Wiener Walzer hat nachhaltig den Boston um 1900 in den USA und den langsamen English Waltz um 1920 in Großbritannien beeinflusst. Der Boston entstand schon im vorigen Jahrhundert in den USA und kam um die Jahrhundertwende nach Europa.

Er ist kein Rundtanz, anfangs wurde er zu schneller Walzermusik getanzt, die allmählich verlangsamt wurde. Im 19. Jahrhundert gab es viele länderspezifische Varianten des Walzers: den Französischen Walzer (Valse francaise), den Ungarischen Walzer, den Mexikanischen Walzer, den Mazurkawalzer in Polen.

Der Musettenwalzer ist eine Verbindung des Tanzes Musette aus dem 17. Jahrhundert und des Walzers. Der Name rührt vom dudelsackähnlichen Instrument Musette her. Die Redowa und der Balance-Walzer waren Walzervariationen gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Der Langsame Walzer in der heutigen Form ist eine Variante des in Europa choreografierten English Waltz und ist letztlich aus einer Synthese aus dem Wiener Walzer und dem Boston hervorgegangen.

Der Langsame Walzer wird mit langsamen, schwingenden Bewegungen getanzt und gilt als der schwierigste „Standardtanz“, wegen des Ein- und Ausschwingens zur schmelzenden Musik klassischer Walzer-Melodien.

Zum Standard tanzen werden geschlossene Tanzschuhe getanzt. Seit 1929 gehört er zu den Turniertänzen. Während der nationalsozialistischen Zeit war der Deutsche Walzer erwünscht, ein Walzer mit eingebauten Geh- und Laufschritten. Er fand wenig Gefallen bei den Tanzenden.